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Illusion – der eigenen erotischen Erfüllung begegnen – eine Filmkritik

Gestern war ich auf einer Kinopremiere in der Karlsruher Schauburg. Gezeigt wurde der Film Illusion von Roland Weber. Der Plot ist schnell erzählt: Acht mehr oder weniger frustrierte Menschen treffen sich in einer Bar und verbringen dort die Nacht. Von ihren Partnern angeödet, nicht fähig, miteinander über ihre Träume und Wünsche zu kommunizieren, geben sie sich ihren sexuellen Phantasien hin.

Da ist der protestantische Pfarrer Theo, der sich romantisches Begehren ausmalt und die Szene mit biblischer Prosa untermalt. Endlich gewollt werden!

Seine Frau träumt heimlich von einer zärtlichen lesbischen Beziehung, emotional, warm und weich am liebsten mit der Gattin von eines Langeweilers, die beim Sex aber ganz anders „behandelt“ werden möchte.

Susanne, die Hauptdarstellerin, möchte sich der Kamera präsentieren, wahrgenommen werden: „Ich bin heute das erste Mal fotografiert worden,“ erzählt sie erstaunt, während der arbeitslose Uli die verwöhnende Fülle phantsiert.

Die dargestellten erotischen Träume handeln von Fetisch, BDSM, Romantik, Gesehen und Verwöhnt werden sowie gleichgeschlechtlichen Affären.

Um es bereits vorweg zu nehmen: Ich habe mir noch kein abschließendes Urteil gebildet, wie ich diesen Film fand. Auf jeden Fall interessant, aber überhaupt nicht erotisch. Mir haben wirkliche Überraschungen gefehlt, und ich fand ihn „angestrengt“, wie auch die Diskussion mit der Regiseurin und der Hauptdarstellerin.

Was ich aber auf jeden Fall bemerkenswert fand, war die Abbildung der Phantasien, die mir auch in der Praxis häufig begegnen, wenn ich mit Paaren über ihre sexuellen Wünsche und Phantasien spreche.

Da ist die erotische Sequenz, sich zu zeigen, nackt fotografiert zu werden, seinen Körper zu präsentieren, am besten vor Publikum, welches begehren aber nicht zugreifen darf, im Film von Susanne phantasiert.

Oder der Wunsch, bis zur Erschöpfung „genommen“ zu werden, seiner Lust hilflos ausgeliefert zu sein, in Ketten zu liegen, gefesselt sein und damit keine Verantwortung für das Geschehen übernehmen zu müssen.

Andere träumen von gleichgeschlechtlicher Liebe und Lust: Verstanden werden, verschmelzen mit jemanden, der ist wie ich, der weiß wie ich angefasst werden möchte, davon träumen Frauen.
Männer wollen in gleichgeschlechtlicher Lust eher den schnellen ehrlichen Genuss, unverbindlichen Sex, Begierde ohne Beziehung.

Für manch anderen ist der Regelbruch faszienierend. Darf ein Pfarrer Sex haben? Bei den Katholiken ist das klar geregelt. Protestanten dürfen, aber dürfen sie auch in Sinnlichkeit und Völlerei schwelgen wie Theo?

Wieder andere möchten einfach mal Fülle erleben: Gleich mehrere Männer oder attraktive Frauen. Endlich mal richtig „satt“ werden. Erfüllt sein, im Film wie Uli, der gleich von drei oder vier Blondinen versorgt wird.

Nun weiß ich aus der Praxis, dass Phantasien immer aus der Sehnsucht wachsen. Welche Sehnsüchte das sind, und wie sie sich in erotischen Träumen wiederspiegeln können, darüber schreibe ich nächste Woche.

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